Stadtverwaltung Speyer setzt auf psychische Unterstützung am Arbeitsplatz – Unfallkasse Rheinland-Pfalz zeichnet Konzept mit Präventionspreis aus



Für die UK RLP ist sicheres und gesundes Arbeiten schon lange beispielgebend: Seit 2009 zeichnet sie mit ihrem Präventionspreis Einrichtungen aus, die Sicherheit und Gesundheit auf ihre ganz eigene Weise verwirklichen. Wie die Stadtverwaltung Speyer, eine der prämierten Einrichtungen der jüngsten Wettbewerbsausgabe. Sie beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeitende in den unterschiedlichsten Berufen – neben den klassischen Verwaltungsberufen auch Feuerwehrleute, Garten- und Landschaftsbauer, Kita-Mitarbeitende, Hausverwalter und Bauhofbeschäftigte, aber auch Mitarbeitende im Inklusionsbetrieb Friedhof. Für sie alle hat die Stadt die Idee verwirklicht, eine vorgefertigte Form von psychischer Unterstützung am Arbeitsplatz zu finden. „Eine Verwaltung besteht aus Menschen! Menschen, die Erlebnisse von Gewalt im Arbeitskontext oder auch Schicksalsschläge aus dem beruflichen oder privaten Umfeld nicht einfach mit Beginn des nächsten Arbeitstages hinter sich lassen können“, betont Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler.

Los ging es mit der Zuhilfenahme eines Notfallpsychologen. Zum Einsatz kommen sollte er bei „schwerwiegenden Vorfällen“, etwa nach Bedrohungen oder Unfällen im Betrieb, durch die Betroffene sowie ihre Kolleginnen und Kollegen eine erhebliche psychische Belastung erfahren. Dass dies allein nicht ausreichte, wurde im Herbst 2020 klar. „Nachdem wir im Bereich Stadtgrün erst einen Kollegen durch einen tragischen Unfall und nur Wochen später einen weiteren Kollegen an Covid-19 verloren hatten, lag die Abteilung sprichwörtlich am Boden. Trotz aller Unterstützungshilfe, die wir zu diesem Zeitpunkt bieten konnten, haben wir die Abteilung in ihrer Trauer nicht auffangen können“, erinnert sich Kathrin Hammer, Gesundheitsmanagerin der Stadtverwaltung Speyer.

Sukzessive sei daraufhin der Aufgabenbereich des Notfallpsychologen erweitert worden. „Heute setzen wir ihn in einem wesentlich breiteren Spektrum ein, zum Beispiel bei der Hilfe zur Überleitung in eine Therapie oder bei akuter Suizidgefährdung“, so Hammer. 2023 habe das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) zudem eine niederschwellige Telefonseelsorge für alle Mitarbeitenden implementiert. Die vertrauliche Anlaufstelle helfe bei Problemen und Sorgen in allen Lebenslagen. Wichtige Ansprechpersonen innerhalb der Behörde – neben dem BGM-Team etwa auch der Personalrat und die Gleichstellungsstelle – haben weitere Qualifikationen erworben, um das Wissen über psychische Gesundheit zu verbessern. „Aktuell befinden wir uns im Aufbau der Strukturen für die Betrieblich psychologische Erstbetreuung“, berichtet Kathrin Hammer.

Ziel aller Bemühungen sei es, dass die Mitarbeitenden in sämtlichen Konflikt-, Problem- und Gefahrensituationen adäquate Ansprech- und Hilfspersonen mit entsprechender Qualifikation haben und eine schnelle, niedrigschwellige und vor allem professionelle Hilfe umgehend gesichert ist. „Wir haben erkannt, dass Vorsorge, Prävention, gute Qualifikationen und ein professionelles Team der Schlüssel sind, um uns als Arbeitgeber zukunftsorientiert aufzustellen und den Wandel in den Denkprozessen aufzubrechen. Kein Mitarbeiter muss mehr etwas ‚aushalten und damit zurechtkommen‘. Wer Hilfe möchte, der bekommt sie“, betont die Oberbürgermeisterin. „Zeitgleich braucht es Menschen, die diese Probleme wahrnehmen und hartnäckig an Lösungen arbeiten.“ Es braucht couragierten Einsatz, um die Maßnahmen aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln.

Ein lobenswertes und vorausschauendes Konzept, findet die UK RLP, die den Projektverantwortlichen jetzt vor Ort in der Stadtverwaltung Speyer eine Prämie von 500 Euro und die Präventionspreis-Plakette überreichte. Das Preisgeld wird die Stadtverwaltung für einen Empfang zur Danksagung aller eingebundenen Mitarbeitenden nutzen.

Der landesweite Wettbewerb richtet sich übrigens an alle Mitglieder der UK RLP – von der Kita bis zur Universität, von der Gemeinde bis zum Ministerium. Die Größe der Einrichtung spielt dabei keine Rolle. Für alle lohnt die Teilnahme am Präventionspreis, weil sie den Einrichtungen Gelegenheit zur Bestandsaufnahme und Reflexion der eigenen Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheit bietet. Mit attraktiven Geldprämien – jährlich werden bis zu 20.000 Euro vergeben – möchte die Unfallkasse darüber hinaus alle Beteiligten dazu motivieren, ihr Engagement nachhaltig fortzuführen und stetig zu verbessern.

Unter https://www.ukrlp.de/sicherheit-gesundheitsschutz/praeventionspreis gibt es alle Informationen zur Teilnahme am Präventionspreis.


Medieninformation der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und der Stadt Speyer vom 28. März 2025